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Bewerbungstipps für Ältere: Mit 45 schon altes Eisen?

Ältere Bewerber haben es auf dem Arbeitsmarkt nicht leicht. Besonders schwer ist die Situation für Ingenieure: Mehr als die Hälfte der Arbeitslosen sind älter als 50. Woran liegt das und wie findet man einen Job mit 45+?

Die Politiker haben gerade die Verlängerung der Lebensarbeitszeit beschlossen und die Demoskopen sagen einen baldigen und unumgänglichen Fachkräftemangel vorher. Doch nach wie vor lassen es die Unternehmer in Deutschland zu, dass geballtes Wissen und Erfahrung frühzeitig verrentet wird. Hierzulande sind nur 1/3 der 55- bis 64-jährigen berufstätig und die Zahl der Firmen, die keinen Mitarbeiter über 45 Jahre haben, ist hoch. Diverse Umfragen belegen, dass die wenigsten Unternehmen ältere Mitarbeiter durch gezielte Weiterbildungsmaßnahmen fördern. Doch wenn ihr Wissen veraltet oder sie sich im Laufe der Jahre zu sehr spezialisieren, dann fällt ein Jobwechsel nicht leicht, denn Anforderungen an eine neue Stelle können kaum erfüllt werden.

Besonders absurd stellt sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieure dar: Fachkräfte werden händeringend gesucht, immer öfter auch im Ausland. Viele Stellen bleiben zwangsweise unbesetzt. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Hochschulabsolventen. Und dennoch gibt es in Deutschland mehr als 60.000 arbeitslose Ingenieure, rund die Hälfte von ihnen ist älter als 50. Für sie ist der frühzeitige Eintritt in die Rente meist leichter zu schaffen als eine neue Beschäftigung zu finden. Woran liegt das?

Welche Vorurteile älteren Bewerbern begegnen
Ältere Bewerber gelten gemeinhin als teuer, räumlich immobil und geistig unflexibel. Hinzu kommt in den technischen Berufen der Zweifel von Personalabteilungen, dass Bewerber ab 50 den körperlichen Anforderungen gewachsen sind. Doch auch die Bewerber, die alle diese Vorurteile Lügen strafen, bleiben meist auf der Strecke, denn im Ingenieurwesen bekommt die interdisziplinäre Arbeitsweise einen immer höheren Stellenwert. So stecken beispielsweise Maschinen und Anlagen heutzutage voller komplizierter Technik. Ingenieure arbeiten mit modernster Software und Hand in Hand mit IT-Spezialisten. Bewerbern über 45, die ihre Ausbildung zu einer Zeit gemacht haben als Computer noch nicht in jedem Haushalt selbstverständlich waren, traut man das nötige Fachwissen nicht zu. Weniger extrem aber ebenso häufig sind die Vorbehalte im Hinblick auf andere fachübergreifende Disziplinen wie Vertrieb, Einkauf oder betriebliche Organisation, Fremdsprachenkenntnisse oder das Wissen über neue Werkstoffe und technische Möglichkeiten.

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Bewerbungsfrust nicht zeigen
Auch wenn ihr Arbeitswille ungebrochen ist, fühlen sich ältere Mitarbeiter im Unternehmen oft nicht ausreichend anerkannt und respektiert. Dennoch bleiben die meisten aus wirtschaftlicher Notwendigkeit so lange in ihrem Job, bis sie ihr Berufsleben beenden können. Der Grund: Nach langjähriger Berufstätigkeit fällt es schwer, sich noch einmal zu bewerben und nach einer neuen Herausforderung zu suchen. Die Mitarbeiter haben sich in ihrer Rolle etabliert und können sich kaum dazu überwinden, sich nochmals gezielt zu "verkaufen". Noch schwerer haben es die Ingenieure, die bereits ohne Stelle sind, denn sie müssen das Gefühl überwinden, nicht mehr gebraucht zu werden. So besteht der häufigste Fehler bei den Bewerbungen älterer Arbeitnehmer darin, dass dieser Frust deutlich in den Unterlagen spürbar wird.

Gezielt Vorteile hervorheben
Doch niemand will einen frustrierten Mitarbeiter einstellen. Um sich für den Bewerbungsprozess zu motivieren, sollten Sie sich folgende Aspekte vor Augen halten:

    Erfahrung
    Es gibt keinen Fehler, den ein älterer Arbeitnehmer nicht bereits gemacht hat. Im Gegensatz zu einem ,Greenhorn' sparen Sie dem Unternehmen also bares Geld für unnötige Mängel und Irrtümer.

    Gelassenheit
    Mit 50 regt man sich nicht mehr so leicht auf wie mit Anfang 30. Als älterer Arbeitnehmer sind Sie in der Regel gelassener und gehen Projekte ruhiger an. Wenn es mal nicht gut läuft, reagieren Sie weniger stressanfällig und besonnener. Sie müssen sich nichts mehr beweisen und sind in der Lage, bei Bedarf vermittelnd oder durchsetzungsstark aufzutreten. Ihre Gelassenheit und Souveränität ist Ihr Trumpf.

    Gefestigte Verhältnisse
    In Ihrem Alter sind Sie in Ihrem privaten Umfeld gefestigt. Das mag dazu führen, dass Sie räumlich nicht mehr so flexibel sind, doch es hat auch einen Vorteil: Wenn man ein Haus abbezahlt, die Kinder vor Ort zur Schule gehen und man sich sein Leben ,eingerichtet' hat, dann reagiert man besonnener auf Probleme im Büro, fühlt sich im besten Sinne stärker an seinen Arbeitgeber gebunden und verhält sich entsprechend integer und loyal.

    Alte Schule
    Eigenschaften, die gerade wieder modern werden, haben Sie in Ihrer Erziehung selbstverständlich genossen. So gelten ältere Mitarbeiter als zuverlässiger und pünktlicher als ihre jungen Kollegen und das sind sie meist auch.

    Flexibilität
    Auch wenn es älteren Arbeitnehmern oft nicht zugetraut wird: Sie sind nach wie vor lernfähig und aufnahmebereit, also geistig flexibel. Fragen Sie Ihren Arbeitgeber nach Weiterbildungsmaßnahmen und halten Sie sich auch außerhalb Ihres Fachgebietes auf dem Laufenden. Tun Sie etwas für Ihr Wohlbefinden, denn "in einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist".

Wenn Sie all diese Aspekte berücksichtigen, können Sie selbstbewusst und souverän in den Bewerbungsprozess einsteigen. Starten Sie unbedingt mit einer gründlichen Selbstanalyse. Erstellen Sie eine Liste Ihrer Stärken und Schwächen. Schreiben Sie auch auf, welche beruflichen Ziele Sie haben, welche Unternehmensform Ihnen am meisten liegt etc. Anhand Ihrer Ergebnisse können Sie eine Bewerbungsstrategie festlegen. (Ausführliche Tipps zur Selbsteinschätzung und Bewerbungsstrategie finden Sie auf der StepStone-Homepage.)

Viele Wege führen zum Ziel
Verlassen Sie sich bei der Stellensuche nicht nur auf ausgeschriebene Anzeigen: Nutzen Sie Fachmessen und wenden Sie sich initiativ an interessante Unternehmen. Nutzen Sie auch Ihr Netzwerk, denn im Laufe Ihrer Berufsjahre haben Sie sicherlich viele Kontakte geknüpft. Doch auch außerhalb der beruflichen Beziehungen gibt es Menschen, die Ihnen vielleicht bei der Jobsuche mit Informationen oder Kontakten behilflich sein können, z.B. Freunde und Nachbarn, Ihr Arzt, Bekannte aus dem Sportverein oder aus der Gemeinde etc. Es mag ein wenig Überwindung kosten, doch gezieltes Networking kann sich auszahlen.

Bewerbung: Schwerpunkte setzen
Für ältere Bewerber ist es besonders wichtig, in ihrer Bewerbung die richtigen Schwerpunkte zu setzen. Im Laufe Ihrer bisherigen Karriere haben Sie viel Erfahrung gesammelt und einige Weiterbildungen besucht, doch nicht jedes Seminar und nicht jedes berufliche Projekt ist für den avisierten Arbeitgeber wichtig. Egal ob Sie Ihren Lebenslauf chronologisch oder ,amerikanisch' (das heißt mit der jetzigen Position beginnend) aufbauen, konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche, so dass der Personaler direkt versteht, wo Ihre Stärken und Talente liegen. Weisen Sie möglichst auch nach, dass Sie fachlich auf der Höhe der Zeit sind und sich mit den neusten Werkstoffen und Produktionsverfahren sowie der nötigen IT auskennen. Beherzigen Sie alle oben genannten Aspekte, denn Ihr Alter und die damit verbundene Erfahrung, Souveränität und bisherige berufliche Erfolge sind der große Pluspunkt Ihrer Bewerbung.

Finanzielle Hilfen einfordern
Ingenieure arbeiten sehr häufig in kleinen und mittelständischen Betrieben. Gerade für diese Unternehmen bietet die Arbeitsagentur finanzielle Anreize. Sollten Sie als älterer Arbeitnehmer in einem Betrieb mit weniger als 100 Mitarbeitern beschäftigt sein und von Entlassung bedroht, dann übernimmt die Bundesagentur für Arbeit die Kosten für notwendige Weiterbildung und Qualifizierung, wenn Ihr Arbeitgeber das Arbeitsentgelt weiterzahlt.

Aber auch bereits arbeitslose Ingenieure können finanzielle Hilfen erhalten, was so manchem Betrieb die Entscheidung für eine Einstellung leichter macht: Arbeitgeber können Lohnkostenzuschüsse (so genannte Eingliederungszuschüsse) zum Arbeitsentgelt erhalten, wenn sie einen Arbeitnehmer über 50 einstellen. Außerdem sind Arbeitgeber von der Pflicht zur Zahlung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags befreit, wenn sie einen Arbeitnehmer über 55 einstellen. Für den Arbeitnehmer bleibt dabei der volle Schutz der Arbeitslosenversicherung gewahrt.

Weitere Bewerbungstipps für ältere Arbeitnehmer finden Sie auf der StepStone-Homepage

© StepStone, 2006
 

 
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