Ungeahnte Möglichkeiten für Ingenieurinnen
Es ist ein kleiner Lichtblick: Seit 2004 entwickelt sich die Zahl der Ingenieurinnen in Deutschland kontinuierlich positiv und stieg von 2004 bis 2008 um insgesamt 17 Prozent. Dennoch: Bis heute sind Frauen in Ingenieurberufen stark unterrepräsentiert. Nur zehn Prozent aller Ingenieure sind weiblich. In anderen europäischen Ländern liegt die Quote mit bis zu 25 Prozent deutlich höher. Auch beim Studium bilden die Studenten die Mehrheit. Der Anteil der Studentinnen in den Ingenieurwissenschaften liegt lediglich bei 20 Prozent.
Da verwundert es nicht, wenn die Diplomingenieurin Stefanie Link von sich selbst als „Einzelfall“ spricht. In ihrer Jugend entdeckte die heute 27-Jährige ihre Faszination für Flugzeuge. „Als 15-Jährige habe ich mich gefragt, warum diese tonnenschweren Konstruktionen fliegen können. Von da an hat mich das Thema nicht mehr losgelassen.“ Ihre Faszination für Flugzeuge führte Stefanie Link schließlich zum Studium der Luft- und Raumfahrttechnik an die Universität Stuttgart.
Engineering-Dienstleister: Verschiedene Berufsbereiche kennenlernen
Mitte 2008 entschied sich die junge Absolventin dann für eine Anstellung bei der euro engineering AG. „Der Vorteil eines Engineering-Dienstleisters ist, dass man durch die verschiedenen Projekteinsätze immer wieder ganz unkompliziert Einblicke in andere Bereiche des Berufs gewinnen kann“, fasst Stefanie Link die Gründe für ihre Entscheidung zusammen. „Gerade für junge Leute ist dies eine gute Möglichkeit, sich beruflich zu orientieren. Hinzu kommt das gute Weiterbildungsangebot der euro engineering AG, das beispielsweise durch Onlinekurse einfach wahrzunehmen ist.“ Derzeit ist die junge Ingenieurin bei einem international agierenden Unternehmen für Luftfahrzeuge im Einsatz.
Beruf und Familie miteinander vereinbaren
Auch Erdmuthe Antrack ist froh, sich für eine Tätigkeit bei einem Engineering-Dienstleister entschieden zu haben. Die 40-Jährige arbeitet als Konstrukteurin mit einer 30-Stunden-Woche bei der euro engineering AG. So hat sie neben der Arbeit noch genug Zeit für ihre Familie. „Ich kenne viele Ingenieurinnen, die aus familiären Gründen gerne in Teilzeit arbeiten würden. Allerdings wird ihnen dies von den Unternehmen, in denen sie tätig sind, nicht ermöglicht. Da habe ich mehr Glück gehabt.“ Dies bestätigt auch eine Umfrage des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), die im Vorfeld der „1st European Conference on Gender and Diversity in Engineering and Science“ im September 2009 veröffentlicht wurde. Nur sieben Prozent der befragten Ingenieurinnen waren danach der Meinung, dass sich Beruf und Familie gut vereinbaren lassen.
Genug Zeit für ihren fünfjährigen Sohn wollte auch Christiane Bergemann-Machado neben ihrer Arbeit als Maschinenbauingenieurin haben. Seit acht Jahren lebt die gebürtige Brasilianerin in Bayern und ist seitdem durchgehend für Engineering-Dienstleister tätig. „So bin ich trotz Vollzeitstelle sehr flexibel. Die euro engineering AG unterstützt mich dabei, Familie und Beruf zu vereinbaren. Mein Sohn wurde vor einiger Zeit zum Beispiel plötzlich krank, als ich einen Projekteinsatz beginnen sollte. Die euro engineering AG und das Kundenunternehmen haben sich dann darauf verständigt, den Projektbeginn nach hinten zu verschieben, damit ich mich zunächst voll und ganz um meinen Sohn kümmern konnte.“
In ihrer Heimat absolvierte die Brasilianerin ein Maschinenbaustudium, bevor sie 2001 nach Deutschland zog. „Im Vergleich zu Brasilien ist es hier als Frau sehr viel einfacher als Ingenieurin einen Job zu bekommen“, weiß die 36-Jährige aus Erfahrung. „In Deutschland wirst du danach beurteilt, was du kannst, nicht nach deinem Geschlecht.“ Nach dem Studium hatte sie sich auch in Brasilien und Italien um Arbeit bemüht. „In Italien habe ich auf meine Bewerbungen noch nicht einmal eine Antwort bekommen.“
Intensive Bemühungen um weibliche Nachwuchskräfte
Um zukünftig noch mehr junge Frauen wie Stefanie Link für Ingenieurberufe zu begeistern, hat der VDI gemeinsam mit weiteren Partnern das Projekt „MINT-Role Models“ (www.mint-role-models.de) ins Leben gerufen. Berufstätige Ingenieurinnen und Wissenschaftlerinnen sowie Studentinnen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik berichten Schülerinnen von positiven Erfahrungen aus ihrem Berufsalltag. „Bereits in der Schule wird der Grundstein für das Ingenieurstudium gelegt“, weiß auch Stefanie Link. „Nur wenn Mathematik und die naturwissenschaftlichen Fächer spannend unterrichtet werden und auch den Mädchen Spaß machen, bleibt das Interesse an diesen Fächern auch über das Abitur hinaus bestehen.“
Politik und Wirtschaft haben erkannt, dass es bereits während der Schulzeit neuer Ansätze bedarf, um bei jungen Frauen das Interesse an Ingenieurberufen zu wecken. Jetzt liegt es an den Unternehmen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter auszubauen.
© StepStone, 2008
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