Das 10-Punkte-Programm für Ihre Karriere
Wie soll die Karriere aussehen? Spezialist oder Allrounder? Das erste Gehaltsgespräch und die Technologiefalle. Lesen Sie im 2. Teil der Laufbahnplanung für Ingenieure, was Sie unbedingt berücksichtigen sollten.
6. Die Karriere
7. Das Gehalt
8. Die Technologie-Falle
9. Der Arbeitgeberwechsel
10.Wechselfälle des Lebens
6. Die Karriere
Würden 100 junge Ingenieure gefragt, ob sie Karriere machen wollen, antworteten wohl fast alle mit ja. Aber für jeden steckt etwas anderes hinter diesem Wort. Während der eine schon sein Karriereziel erreicht hat, wenn er das Ingenieur- Diplom in der Tasche hat, will sich der andere zum Fachmann entwickeln. Ein Dritter träumt von Personal- und Budgetverantwortung und ein Reiselustiger will in allen Ländern der Welt gelebt und gearbeitet haben. Karriereberater Heiko Mell definiert den Begriff so: "Karriere ist eine erfolgreiche Berufslaufbahn, die in der Regel mit ständig steigender Verantwortung für Sachen und Personen verbunden ist." Vom guten Schulzeugnis über eine kurze Studienzeit mit gutem Examen und mehreren Praktika und Auslandseinsätzen: Kontinuität in der Ausbildung führt zu interessanten Einstiegspositionen in der Wirtschaft.
Viele Unternehmen bieten Talent-Programme, die die Besten herausfiltern und gezielt fördern sollen. Wer einmal in einem Karriere- Netzwerk aufgenommen ist, für den geht es normalerweise steil nach oben - jedoch über die Einbahnstraße: Wer zwischendurch nicht mehr mitzieht oder umdreht, der ist raus. Wer nach oben will, der muss dauerhaft überdurchschnittliches Engagement zeigen. Nine-to-five kann er das sicher nicht. Also sind Überstunden fällig, oft unbezahlt. Und Karriere setzt Mobilität voraus. Uneingeschränkt und regelmäßig werden Umzüge fällig, die eine Familie oder Freundschaften stark belasten können. Grundsätzlich stehen für den Aufstieg zwei Wege offen: Die interne Beförderung oder der Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber. Personalberater Heiko Mell macht die Entscheidung vom Persönlichkeitstyp abhängig: Während Ingenieur A - tüchtig, verkauft sich aber schlecht und man muss ihn kennen, um ihm etwas zuzutrauen - nur intern Karriere machen kann, sollte Ingenieur B - verkauft sich blendend, überzeugt spontan, erweist sich aber meist als fachlich recht schwach - so oft wechseln wie möglich, um aufzusteigen. Für beide gilt: Wer Karriere machen will, muss das sagen und danach handeln.
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7. Das Gehalt
Die Frage eines Unternehmens nach den Einkommenswünschen des Bewerbers dient einzig und allein der Erkenntnis, ob der potenzielle Mitarbeiter realistisch denkt. Was Ingenieure auf Einstiegspositionen verdienen, ist kein Geheimnis. Die VDI-Nachrichten beispielsweise führen jährlich Umfragen durch, um zu erfahren, was bezahlt wird, abhängig von der Branche und der Tätigkeit. Solche Ergebnisse sind klare Maßstäbe auf die Frage nach dem Einkommenswunsch. Großen Verhandlungsspielraum gibt es dabei kaum, denn die Unternehmen haben klare Vorstellungen darüber, was sie neuen Leuten bezahlen wollen. Das Einstiegsgehalt hat übrigens nichts mit den Bezügen zu tun, die Jahre später erzielt werden können.
Dennoch gibt es einiges zu beachten. Wer ein außergewöhnlich hohes Gehalt bekommt, schränkt seine Wechselchancen ein, weil nicht jedes Unternehmen bereit ist, hohe Summen zu bezahlen. Außerdem ist eine Gehaltserhöhung nie ein Kredit, denn zuerst wird vom Arbeitnehmer erwartet, dass er in Vorleistung geht. Hat dieser gezeigt, dass er auf Dauer mehr Leistung bringen kann, bekommt er mehr Geld. Der dritte Tipp ist schon so einfach, dass er mitunter vergessen wird. Wer viel verdienen will, muss aufsteigen und wer regelmäßig auf der Karriereleiter nach oben steigt, bekommt automatisch mehr Geld.
Bei all der Feilscherei sollten die Nebenleistungen nicht vergessen werden. Eine Altersversorgung ist mitunter mehr wert als 250 Euro monatlich mehr. Auch die Work-Life-Balance hat finanzielle Aspekte. Dazu zählen kostenlose Gesundheits- oder Sportangebote sowie Ausgleichsmöglichkeiten für Spitzenzeiten, Gleittage zum Beispiel, an denen das viele Geld unter die Leute gebracht werden kann.
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8. Die Technologie-Falle
Halogen-Lampen waren ein echter Fortschritt in der Sicherheit beim Autofahren. Noch heller wurde es mit dem Xenon-Licht. Der aktuelle Clou ist das Kurvenlicht. Die Erfindung war eine reife Ingenieurleistung und viele werden sich damit in den nächsten Jahren beschäftigen. Doch bald wird es etwas Neues geben, vielleicht wird Kurvenlicht dann durch Wärmebildsysteme
ersetzt. Entscheidend ist: Ingenieure müssen Acht geben, den nächsten technologischen Sprung nicht zu verpassen, denn sonst landen sie karrieretechnisch schnell auf dem Abstellgleis.
Spezialist zu sein ist gut und schön. Das können Personalberater bestätigen, die von Automobilherstellern den Auftrag kriegen, aus einer Hand voll Spezialisten für Außenspiegel einen an Land zu ziehen. Doch wer viele Jahre lang nichts anderes macht als Außenspiegel, guckt in die Röhre, wenn eines Tages die Alternative zum Außenspiegel erfunden wird.
Fluch und Segen des Spezialistenstatus liegen also nahe beisammen und es ist wichtig, stets Augen und Ohren offen zu halten, um nicht in eine Technologiefalle zu geraten. Unternehmen sind auch gerne bereit, in das Spezialwissen ihrer Ingenieure zu investieren. Allerdings nur, wenn die Maßnahmen schnelle Wirkung zeigen. Um den eigenen Wissensvorsprung muss sich der Mitarbeiter allerdings selbst kümmern.
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9. Der Arbeitgeberwechsel
Rein rechnerisch muss ein Akademiker bis zur Rente 40 Jahre arbeiten. Das ist eine lange Zeit und es ist heutzutage kaum mehr davon auszugehen, dass ein Beschäftigter sein ganzes Arbeitsleben in einem einzigen Unternehmen verbringt. Wechsel kommen zwangsläufig.
Die Zeit für Wechsel ist aber knapp bemessen. Zwischen Studienende (27 Jahre) und dem Ende der Wechselmöglichkeit (45 Jahre) liegen genau 18 Jahre, in denen sich aus Sicht eines Beschäftigten ein Arbeitgeberwechsel abspielen kann. Aus einem ungekündigten Arbeitsverhältnis heraus sollte man aber nur wechseln, wenn er mit einem Aufstieg oder anderweitigem Zuwachs an Verantwortung und Vergütung verbunden ist. Wer aus privaten Gründen wechseln will, etwa um zum Partner in eine andere Stadt zu ziehen, sollte nie kündigen, ohne eine neue Stelle zu haben. Denn dann zeigt sich oft, dass die beruflichen Schwierigkeiten, die man sich mit dem privat begründeten Wechsel einhandelt, deutlich größer sind als die Probleme, die man im Privaten vermeiden wollte.
Jeder muss aber auch Zeit seines Arbeitslebens darauf gefasst sein, geplant oder überraschend seinen Job zu verlieren. Deshalb ist es notwendig, in jeder Phase seines Berufslebens dafür zu sorgen, dass man für den Markt interessant bleibt. Dazu zählt das fachliche Wissen, ein durchgängiger roter Faden im Lebenslauf, die Verbundenheit mit einer prosperierenden Branche, eine gewisse Mindest-Verweildauer bei einem Arbeitgeber und die Qualität der Zeugnisse.
Wird ein Wechsel selbst induziert, dann stellt sich immer die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt. Dieser hängt natürlich stark von der Situation beim derzeitigen Arbeitgeber ab. Stehen hier großen Projekte an, die Renommee versprechen, neue Verantwortung bringen und Herausforderungen, an denen sich etwas lernen lässt, dann ist der Zeitpunkt sicher nicht an einer Anzahl von Dienstjahren festzumachen und es ist gut, zu bleiben. Stehen solche Herausforderungen aber nicht an, dann gilt, dass zu viel Berufserfahrung auch schaden kann. Wer bis zu drei Jahren Berufserfahrung mitbringe, sagt Personalberater Heiko Mell, sei vielfach begehrt, wer fünf Jahre habe, auf der Höhe seines fachlichen Wirkens und wer zehn Jahre aufweise, wäre gerade noch qualifiziert. Mit über zehn Jahren Berufserfahrung seien Bewerber jedoch falsch qualifiziert und riskierten Absagen. Die Lösung liege darin, ab fünf Jahren Berufserfahrung in einem Unternehmen und/oder auf einer Position einen Tätigkeitswechsel oder Aufstieg anzustreben. Der kann dann extern wie intern erfolgen.
Wichtig ist bei allen Überlegungen zum Arbeitgeberwechsel immer: Man darf sich nicht in die Defensive begeben, muss Optionen in der Hand behalten. Wer kündigt, ohne etwas Neues zu haben, begibt sich in eine schwache Position und riskiert längere Arbeitslosigkeit und einen Karriereknick. Ideale Voraussetzungen hat jemand, der sich in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis befindet: Er steht weder unter Zeitdruck und er kann bei der Auswahl des neuen Unternehmens darauf achten, dass er sich verbessert, sei es finanziell oder in der Hierarchie. Wer in der Not ist, einen neuen Job zu finden, bei dem sinken die Chancen deutlich, eine Idealposition zu finden.
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10. Wechselfälle des Lebens
Trotz steigender Arbeitslosigkeit unter älteren Fachkräften nimmt der Ingenieurmangel in der deutschen Wirtschaft zu, meldete der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) im November 2005. In diesem einen Satz stecken zwei wichtige Botschaften für die Zunft: Absolventen ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge brauchen keine Bange zu haben, einen Job zu finden. Vorausgesetzt die Rahmenbedingungen des Studiums stimmen (Fachrichtung, Studiendauer, Persönlichkeit). Aber schon ab 40 kann es eng werden auf dem Arbeitsmarkt. Obwohl Ende 2005 rund 15.000 Ingenieurstellen bundesweit nicht besetzt werden konnten, sind gleichzeitig 26.000 Ingenieure über 50 ohne Beschäftigung. Trost spendet vielleicht, dass der Jugendwahn in der Wirtschaft abflaut und manche Unternehmen ganz gezielt ältere Leute mit Erfahrung einstellen.
Berufseinsteiger sollten sich darauf einstellen, dass für sie das Stichwort Mobilität zur Realität wird. Zurzeit werden die Produktionsstellen in Billiglohnländer verlagert, die Kopfarbeit bleibe hier, sagen die Unternehmen noch. Dabei ist es wohl nur eine Frage der Zeit, wann der Kopf den Händen folgt.
Feste Arbeitsformen werden sich auflösen, meinen Experten. Konkret bedeutet das: ein globales Team bildet sich, um gemeinsam ein Projekt zu bearbeiten. Das kann sogar ausschließlich virtuell erfolgen und die Teammitglieder rekrutieren sich aus unterschiedlichen Unternehmen, Nationen und Fachrichtungen. Nach Abschluss löst sich das Team auf und die Mitglieder verteilen sich auf andere Gruppen.
Der Berufseinstieg will geplant sein: Lesen Sie im 1. Teil der Laufbahnplanung für Ingenieure, wie Sie das richtige Unternehmen finden, welche Qualifikationen für Einsteiger wichtig sind und welche Rolle die Wahl des ersten Arbeitgebers spielt.
Quelle: Jobguide Engineering, erschienen bei matchboxmedia.
matchboxmedia hat sich auf die redaktionelle Bearbeitung von Arbeitsmarkt-, Karriere- und Management-Themen sowie deren Veröffentlichung in eigenen und fremden Publikationen spezialisiert. Geleitet wird matchboxmedia von Annette Eicker, die vor der Gründung ihres Verlages 14 Jahre bei der Verlagsgruppe Handelsblatt arbeitete. Als Chefredakteurin baute sie dort das Monatsmagazin Karriere auf und leitete parallel das Handelsblatt-Ressort „Karriere und Management“. Auch heute noch verfasst sie Arbeitsmarkt- und Managementanalysen, vorwiegend für überregionale Wirtschaftstitel.
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