Studium Elektrotechnik
Noch im 19. Jahrhundert spielte die Elektrotechnik eine untergeordnete Rolle im Maschinenbau. Erst um das Jahr 1900 herum mauserte sie sich zur eigenständigen Disziplin und gewann seitdem stetig an Bedeutung. Um an die jeweils aktuelle technische Entwicklung anschließen zu können, entstanden ständig neue Einsatzgebiete. Heute lässt sich die Elektrotechnik grob in vier Bereiche einteilen: Informationstechnik, Elektrische Energietechnik, Mikroelektronik/Mikrosystemtechnik/Nanotechnik sowie Mess-, Leit-, und Automatisierungstechnik.
Rund 200 Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien in Deutschland bieten einen Studiengang der Elektrotechnik an. Darüber hinaus gibt es ca. 220 Spezialstudiengänge im Bereich Elektrotechnik, die Übergänge zwischen den einzelnen Fachbereichen sind dabei oft fließend. Etwa zwei Drittel aller Absolventen kommen von der Fachhochschule.
Elektroingenieure haben gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt, denn laut einer Studie der Personalberatung Kienbaum gibt es zu wenig von ihnen. Trotz der schlechten Wirtschaftslage suchen die Unternehmen rund 15.000 studierte Elektrotechniker. Dem stehen im Schnitt nur 13.000 Absolventen dieser Fachrichtung gegenüber. Viele offene Stellen bleiben deshalb unbesetzt.
Generell gilt für angehende Elektroingenieure: Wer auf dem Arbeitsmarkt Erfolg haben will, darf sich nicht auf seinem im Studium erworbenen Fachwissen ausruhen. Unternehmen suchen Absolventen, die bereits während des Studiums Berufserfahrungen durch Praktika oder Werkstudententätigkeiten gesammelt haben. Dabei legen immer mehr Arbeitgeber Wert auf Zusatzqualifikationen wie Fremdsprachen, interkulturelles Verständnis und Kommunikations-
fähigkeit. Personaler schätzen daher sowohl außeruniversitäres Engagement in Vereinen als auch Studienaufenthalte im Ausland. Da die wissenschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung schwer einzuschätzen ist, warnen einige Experten vor einer zu frühen Spezialisierung. Mit einem breit angelegten Studium und im Hauptstudium gewählten Schwerpunktfächern fahren angehende Elektroingenieure am Besten.
Elektrische Energietechnik
Die Elektrische Energietechnik befasst sich mit der Bereitstellung elektrischer Energie und liefert damit die Grundlagen der modernen Industriegesellschaft. Ingenieure dieser Fachrichtung planen, fertigen und überwachen den Betrieb elektrischer Anlagen zur Erzeugung, Übertragung und Verteilung der elektrischen Energie. Sie sorgen für eine kostengünstige Herstellung, hohe Wirkungsgrade bei der Energieumwandlung, ständige Verfügbarkeit und umweltverträgliches Arbeiten der entsprechenden Anlagen.
Energietechniker arbeiten zum Beispiel in der Generatortechnik oder in der allgemeinen Kraftwerkstechnik. Daher suchen vor allem Energieversorgungsunternehmen und Arbeitgeber im öffentlichen Dienst (zum Beispiel Gewerbeaufsichtsämter oder Patentämter) auf Energie spezialisierte Elektrotechniker. Neben fachlichen Qualifikationen sollten Energietechniker Fremdsprachenkenntnisse mitbringen, um ihre Aufgaben in einem gemeinsamen europäischen Markt mit internationaler Konkurrenz zu erfüllen. Vielseitig ausgebildete Energietechniker haben gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Elektrotechnik/Elektronik/Automatisierungstechnik
Elektroingenieure mit Schwerpunkt Elektronik bearbeiten Aufgabenstellungen in vielen elektronischen Bereichen wie Entwurf, Herstellung und Montage integrierter Schaltkreise, Qualitätsüberwachung während des Herstellungsprozesses, Entwicklung von Software für den Schaltungsentwurf oder Verfahrenstechniken zur Herstellung der integrierten Schaltkreise.
Oft wird die Mess-, Leit- und Automatisierungstechnik dem Fachgebiet Elektronik zugeordnet. Hier verzahnen sich verschiedene Bereiche der Elektrotechnik.
Automatisierungstechniker befassen sich mit der Steuerung und Regelung von Prozessoren und Maschinen und setzen Rechner zur Messung, Anzeige, Diagnose und Betriebsführung ein. Ebenfalls mit Hilfe von Computern können sie verschiedene Abläufe und Prozesse miteinander verbinden.
Die Arbeitsmarktlage für Elektrotechniker, Elektroniker und Automatisierungstechniker ist günstig. Der Bedarf ist nach wie um mehrere tausend Fachleute größer als die Zahl der Absolventen. Elektroniker können in allen elektrotechnisch orientierten Industriezweigen arbeiten wie beispielsweise der Industrieelektronik, Medizintechnik, Autoelektronik, Computer-, Mess-, Prüf-, Simulations-, Kommunikationstechnik, Optoelektronik oder Konsum- und Unterhaltungselektronik.
Mikroelektronik
Die Mikroelektronik befasst sich mit den neuesten Entwicklungen auf mikrotechnischer Ebene und ist eine Schlüsseltechnologie, die in immer mehr Bereichen genutzt wird. Ein wichtiges Forschungsfeld sind Mikrochips und ihre vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten in der Telekommunikation, der Medizin- und Verkehrstechnik, Automobiltechnik, Energietechnik, im Maschinenbau, in der Gebäudetechnik und in der Umwelttechnik. Eine wichtige Aufgabe des Mikroelektronikers ist die Entwicklung von Mikrochips für Computer oder Mobiltelefone. Dabei geht der Trend zu immer kleineren Einheiten. Die Übergänge zur Nanoelektronik (mikroskopisch kleinste Strukturen) sind fließend.
Die Branche klagt über einen massiven Nachwuchsmangel an Mikroelektronikern, die ihr Wissen im Rahmen eines Spezialstudiums oder durch Wahl der Schwerpunktfächer erworben haben.
Mikrosystemtechnik
Die Mikrosystemtechnik ist eng mit der Mikroelektronik verwandt. Zu den Aufgaben eines Ingenieurs mit Schwerpunkt Mikrosystemtechnik gehören Entwurf, Herstellung und Einsatz von extrem miniaturisierten technischen Systemen, insbesondere auf Basis der Silizium-Halbleitertechnik. Diese kleinen Einheiten können selbstständig Daten erfassen, auswerten und Aktionen ausführen. Sie beinhalten sowohl mikroelektronische, mikromechanische als auch mikrooptische Elemente. Die Aufgabe eines Ingenieurs der Mikrosystemtechnik könnte es beispielsweise sein, eine winzige Messsonde und Werkzeuge auf einem Siliziumchip zu kombinieren.
Ingenieure der Mikrosystemtechnik arbeiten vorwiegend in Betrieben, die medizin- und nachrichtentechnische Geräte herstellen und optische Apparaturen oder Halbleiterprodukte entwickeln. Die Arbeitsmarktchancen sind vor allem für diejenigen gut, die sich ständig in ihrem Fachgebiet weiterbilden. Gerade in der Mikrosystemtechnik gibt es Übergänge zur modernen Nanoelektronik, einer Zukunftsdisziplin der Ingenieurwissenschaft.
Nachrichten-/Informationstechnik
Nachrichten- und Informationstechniker befassen sich mit der Codierung, Verarbeitung, Speicherung und Übertragung von Daten aller Art wie beispielsweise Sprache, Text oder Bilder. Sie entwickeln neue Übertragungstechniken und erweitern die Möglichkeiten bereits bestehender Technologien. Zur Informationstechnik gehören aber auch Funk- und Fersehtechnik sowie Navigation und Radartechnik. Ingenieure der Informations- und Nachrichtentechnik entwickeln, konstruieren und erproben neue Bauelemente, Geräte, Anlagen und Systeme für Computer oder Mikroprozessoren. Sie überwachen die Herstellung, die Montage und den Betrieb informationstechnischer Anlagen.
Die Informationstechnologie ist einem rasanten Wandel unterworfen. Besonders die Mobilkommunikation und Methoden zur drahtlosen Kommunikation auf kurze Distanz entwickeln sich ständig weiter. Der Abstand zwischen Ingenieuren und IT-Fachkräften wird sich in Zukunft weiter verkleinern. Unter Einbeziehung von Multimediatechniken im Verlags- und Druckgewerbe sowie im Fernseh- und Videobereich nähert sich das Einsatzgebiet des Informationstechnikers dem des Medientechnikers oder Multimedia-Designers an. Vielseitig ausgebildete Informations- und Nachrichtentechniker, die den Blick in benachbarte Fachgebiete nicht scheuen, haben damit gute Aussichten auf einen spannenden Arbeitsplatz.
Optoelektronik
Optoelektroniker entwickeln, konstruieren, fertigen und prüfen optoelektronische Erzeugnisse wie beispielsweise Lichtschranken. Zu ihren Aufgaben gehören darüber hinaus der Vertrieb und die Wartung der Geräte. Die Anwendungsbereiche der Optoelektronik sind vielfältig. Sowohl in der Mess-, Kommunikations- und Nachrichtentechnik als auch in der Bildverarbeitung, Lasertechnologie, Infrarot-Technik, optischen Sensorik und Analytik sind Optoelektroniker gefragt. Weitere Einsatzgebiete sind z.B. optische Sensorik und Analytik, Medien- und Medizintechnik, Energieerzeugung und in Mikrosysteme integrierte Optik.
Ingenieure der Optoelektronik arbeiten meist in der Herstellung optoelektronischer Produkte, aber auch an Forschungsinstituten, im Bildungswesen oder bei Behörden. Mit zunehmender Komplexität der optoelektronischen Erzeugnisse steigen die Anforderungen an den Techniker. Wegen der engen Verwandtschaft mit anderen ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen sollten sich Optoelektroniker auch in benachbarten Gebieten gut auskennen.
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