Arbeitsmarkt für Ingenieure
Die besten Aussichten werden wohl auch künftig Maschinenbau- und Elektrotechnik-Ingenieure haben, wogegen es für Bauingenieure nicht sehr rosig aussieht.
Der Arbeitsmarkt für Ingenieure zieht weiter an. So wurden in den ersten drei Quartalen diesen Jahres fast 5.000 mehr Fach- und Führungskräfte gesucht als im gleichen Zeitraum des Jahres 2004. Innovative Technologien, ein breit aufgestellter Mittelstand und das nach wie vor gefragte Siegel ,made in Germany' bescheren der Branche wachsende Umsätze und lassen die Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern steigen.
Der Maschinen- und Anlagenbau hat hier zu Lande eine lange und namhafte Tradition. Deutschland ist der drittgrößte Maschinenproduzent der Welt ist und der Wirtschaftszweig wächst weiter: Der Auftragseingang im deutschen Maschinen- und Anlagenbau lag im September 2005 um vier Prozent über dem Ergebnis des Vorjahres. Mittlerweile ist der traditionsreiche Bereich eine High-Tech-Branche, die Maschinen stecken voller Software, Elektronik und Sensorik. Kein Wunder, dass qualifiziertes Personal hier besonders gefragt ist. Aber auch im Anlagen- und Sondermaschinenbau, in der Forschung und Elektroindustrie sowie in der pharmazeutischen und chemischen Industrie hängen Tausende von Arbeitsplätzen. In der boomenden Umwelttechnik will Deutschland sich weiter etablieren - dazu werden qualifizierte Verfahrenstechniker und Maschinenbau-Ingenieure gebraucht. So können sich die Personalsuchenden dieser Branche zu den Rekrutierern gesellen, die sich nach Anlagenbauern, Chemie- oder Elektronik-Ingenieuren umschauen. Ebenso gefragt sind Ingenieure für den Vertrieb.
Bis zum Ende dieses Jahrzehntes wird es ein Defizit von fast 50.000 Ingenieuren auf dem deutschen Arbeitsmarkt geben. Und schaut man sich die anstehende demografische Entwicklung an, führt kein Weg an Engpässen bei der Rekrutierung geeigneten Personals vorbei. Abgesehen von der gebeutelten Baubranche suchen alle Branchen, die Ingenieure beschäftigen, nach Spezialisten. Gefragt sind Fachkräfte mit fundierter Ausbildung sowie der Bereitschaft zu ständiger Weiterbildung und Auseinandersetzung mit neuen Werkstoffen und Technologien. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) stellt fest, dass Ingenieurinnen und Ingenieure langfristig zu den am stärksten nachgefragten Akademikern zählen werden. Der "war for talents" hat bereits begonnen, was sich vor allem in stetig steigenden Gehältern widerspiegelt.
Dabei ist es nicht so, dass es keine arbeitssuchenden Ingenieure gäbe. Die Misere dieses Arbeitsmarktsektors beginnt oft schon während der Ausbildung, die nicht flexibel genug ist und an den Markterfordernissen mitunter vorbei geht. Junge Absolventen rücken nicht rechtzeitig nach, um die bestehende Lücke zu schließen. Und viele von denen, die ihr Studium gerade beenden, sind nicht ausreichend auf die Erfordernisse ausgebildet worden. Der interdisziplinäre Austausch und das Gespür für Trends ist wichtig, um sein Studium mit einer erfolgreichen Jobsuche zu krönen. So zeigt sich gerade für Ingenieure, dass ein ,perfect match' nicht leicht zu finden ist. Dies bekommen die älteren Semester besonders zu spüren: Von den rund 60.000 arbeitslosen Ingenieuren sind ca. 30.000 älter als 50 Jahre. Ihnen wird mitunter der Umgang mit modernen Technologien sowie die notwenige Flexibilität nicht mehr zugetraut. Wer sich jedoch stetig weiter gebildet hat und zudem mobil ist, der hat auf diesem Arbeitsmarkt sehr gute Chancen.
© StepStone, 2005
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